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Eyn ſendebrieff von dem harten buͤchlin wider die Barwn. AD. Luther. 1525.
titlepage verso a2rERbar vnd fuͤrſichtiger / auffewr ſchrifft hab ich muͤſſen durch den druck antworten / weyl des kla ⸗ gens vnd fragens uͤber meyn buͤchlin wider die auffruͤriſchen Bawrn außgangen / ſo will wirdt / alß ſolt es vnchrisſtlich vnd ʒů hart ſeyn / Wiewol ich mir fuͤrgenumen hatte / meyne oren ʒu verſto ⸗ pffen / vnd die blinden vnd vndanckbarn hertʒen / die nur vrſache ſů ⸗ chen / ſich ʒů ergern an mir / in ſolchem ergernus ſtecken ʒů laſſen das ſie drynnen verfaulē muͤſten / Sintemal ſie auß andern mey ⸗ nen buͤchlin ſich nit ſo vil gebeſſert haben / das ſie auch eyn ſolch grob / ſchlecht / yrdeniſch vrteyl moͤchten odder woͤlten fuͤr recht erkennen. Denn ich dacht an das wort Chriſti / Johan.3. Wen̄ ir nicht glaubt / ſo ich von yrdiſchen dingen rede / wie wuͤrdet ir glauben / ſo ich von hymeliſchen dingen redete: Vnd da die juͤn ⸗ ger ſagten / Weyſtu auch / das die Phariſeyer ſich an dem wort ergerten! ſprach er / Laſt ſie ſich ergern / ſie ſind blindt / vnd der blinden leyter / Matth.15.
ſie ruͤffen vnd rhuͤmen / Da / da / ſihet man des Luthers geyſt das er bluͤtuergieſſen / on alle barmhertʒigteyt / leret / Der Teuffel můß auß im reden. Wolan / wen̄ ichs nicht gewonet were / das ich gericht vnd verdampt werde / moͤcht mich diß bewegen / Aber ich weyß keyn groͤſſere hoffart in mir / denn das meyn thůn vnd lere / ʒu erſt / můß herhalten vnd ſich creutʒigen laſſen / Es gilt nyemant nichts / er kuͤnde den̄ den Luther vrteylen / Der Lu ther iſt das mal vnd ʒill des widerſprechens / an dem můß ſich yderman verſůchen / ob er moͤcht ritter werden / vnd das kleynot gewinnē. Jderman hat in ſolchem fall ein hoͤhern geyſt den̄ ich ich aber můß gantʒ fleyſchlich ſeyn / Vn̄ woͤlte Got / das ſie nur einen hoͤhern geiſt hetē / ich wolt ʒů wartē gerne fleyſchlich ſeyn a2v vn̄ wie S. Paulus ʒů ſeynen Corinthern auch ſagt / Ir ſeyt reich ir ſeyt ſatt / ir herſchet on vns wol. Ich beſorg aber ! ſie haben all ʒu warhafftig eynen hohen geiſt / Denn ich noch nichts ſon ⸗ derlichs ſehe / das ſie außrichten / on das ſie endtlich ʒů ſuͤnden vnd ʒu ſchanden macht.
ſie ſehen aber nicht / wie ſie durch ſolch vrteyl anlauffen / vnd irs hertʒen gedancken durch ſolch widersprechē auffdecken / wie Luce.2. von Chriſto Simeon ſagt /etc. ſie mercken wol / ſagen ſie / was ich fuͤr eynen geyſt habe / ſo merck ich / wie feyn ſie das Evangelion gefaſt vnd gelernet haben / Ja nicht ein fuͤncklyn wiſſen dauon / vnd plaudern doch ſeer davon. Denn wie ſolten ſie wiſſen was hymliſche gerechtigkeyt ſey in Chriſto nach dem Evangelio / die noch nicht wiſſen / was yrdiſche gerechtigkeyt ſey / in der weltlichen oͤberkeyt / nach dem geſetʒe ! ſolche leuͤte ſind werd / das ſie keyn wort hoͤreten vnd keyn werck ſehen / dar ⸗ ane ſie ſich beſſertē / ſonder eytel ergernys ſolten ſie haben / wie den Juden an Chriſto geſchah / weyl ir hertʒ ſo voller boͤſer tuͤck ſteckt / das ſie nichts liebers / den̄ ergernus / ʒůhaben begeren / auf das in geſchehe nach dem ſpruch Pſal. 17. Mir den verkereten bi ſtu verkert / Vnd Deutero. 32. Ich wil ſie reytʒen vber dem / das nicht ein volck iſt / vnd vber eym vnuorſtendigen volck will ich ſie ergern.
Das waren meyne vrſache / warumb ich wolt ſtil ſchweygen vn̄ ſie getroſt anlauſſen vnd ſich ergern laſſen / auff das ſie irem verdienſt nach / in eytel ergernus verſtockt vnd vorblendet / ver ⸗ derben muͤſten / die mit ſolcher vndanckbarkeyt / bißher durch ſolch groß vn̄ helles liecht des Evangelion allenthalben ſo reych lich erſchollen / ſo gar nichts gelernet / vnd Gottes forcht ſo gar hindan geſetʒt haben / das ſie nichts mehr Evangeliſch achten / denn andere vrteylen vn̄ verachten / vnd ſich ſelbs groſſes geyſts vnd hohes verſtands ʒu ſeyn duͤncken laſſen / vnd durch die lere der demůt nur eyttel hoffart faſſen / wie eyn ſpynne auß der ro ⸗ ſen eyttel gifft ſeuget. Weyl ir aber begert vnterricht / nicht fuͤr euch ſelbſt / ſondern ſolchen vnnuͤtʒen leutten das maul ʒůſto ⸗ a3r pffen / Wievol ich acht / das ir eyne vergebliche vnmuͤgliche ar beyt fuͤrnemet. Den̄ wer kan eym narren das maul ſtopffen / weil das hertʒ voll narrheyt ſteckt / vnd der mundt uͤbergehen můß / wes das hertʒ vol iſt ! wil ich euch doch darinnen einen uͤbrigen verlornen dienſt auch thůn.
Vnd ʒum erſten ſol man die warnen / ſo mein buͤchlyn taddeln das ſie das mail ʒůhalten vnd ſich fuͤrſehen / Denn gewißlich ſind ſie auch auffruͤriſch im hertʒen / auff das ſie es nicht verſe ⸗ hen vnd ein mal auch hinder dein kopff hin weg gehen / wie Sa lomo ſpricht / Mein kindt foͤrcht Godt vnd den kuͤnig / vnd men ge dich nicht vner die auffruͤriſchen / Denn ir vnfal wirt ploͤtʒ ⸗ lich kumen / vnd weyß beyder verderben ! Prouerbiorum. 24. Da ſehen wir / das beyde die auffruͤriſchen vnnd die ſich untter ſie mengen / verdampt ſind / vnd Gott keyn ſcherʒ draus gemacht wil haben / ſondern den koͤnig vnd oberkeyt ſoll man foͤrchten. Die aber mengen ſich unter die auffruͤriſchen / ſie ſich derſelbi ⸗ gen annemen / klagen / rechtfertigen vnd erbarmen / welcher ſich Gott nicht erbarmet / ſoͤndern geſtrafft vnnd verderbt will ha ⸗ ben. Denn wer ſich alſo der auffruͤriſchen annympt / gibt ge ⸗ nůgſam ʒůuerſtehen / das / wo er raum vnd ʒeyt hette / auch vn ⸗ gluͤck anrichtet / wie ers im hertʒen beſchloſſen hatt. Darum ſoll die oberkeyt ſolchen auff die hauben greuffen / das ſie das maull ʒůhalten / vnd mercken / daß ernſt ſey.
Duͤnckt ſie ſolch antwort ʒů hart / vnd geben fuͤr /es ſey mit ge walt geredt / vnd das maul geſtopfft / ſage ich / Das iſt recht / Dan̄ ein auffruͤriſcher iſt nicht wehrt / das man im mit vernufft antworte / denn er nimpts nicht an / Mit der fauſt můß man ſol chen meulern antworten / das der ſchweyß ʒur naſen außgehe. Die Bawren wolten nicht hoͤren / lieſſen in gar nicht ſagen / da můſt man in die oren auff kneuffeln mit buͤchſſen ſteynen / das die koͤpff in der lufft ſprungen / ʒuͤ ſolchen ſchůlern gehoͤrt ein ſol ⸗ che růte. Wer Gottes wort nit will hoͤren mit guͤte /der můß den hencker hoͤren mit der ich ſcherpffe. ſagt man / ich ſey gar unguͤtig vnd vnbarmhertʒig hierin̄ / Antworte ich / Barmhertʒig hyn / a3v barmhertʒig her / Wir reden yetʒt von Gottes wort / der wil den kuͤnig geehret / vnd die auffruͤriſchen verderbt haben / vnnd iſt doch wol ſo barmhertʒig als wir ſind. Ich wil hie nichts hoͤren noch wiſſen von barmhertʒigkeyt / ſondern acht haben / was Gotts wort wil / drumb ſol meyn buͤ ⸗ chlin recht ſeyn vnd bleyben / vnd wenn alle welt ſich dran erger te / Was frage ich darnach / daß dirs mißfelt / wens Got gefelt! Wenn er wil ʒorn vnd nicht barmhertʒigkeyt haben / was gehe ⸗ ſtu dan̄ mit barmhertʒigkeyt umb! Derſuͤndigt ſich nicht Saul an dem UÁmalec mit barmhertʒigteyt / das er Gottes ʒorn nicht außrichtet / wie im befolhen war! Verſuͤndigt ſich nicht Ahab / das er barmhertʒig war dem kuͤnige ʒu Syrien / vnnd ließ in le ⸗ ben / wider Gottes wort! Wiltu barmhertʒigkeyt haben / ſo men ⸗ ge dich nicht vnder die auffruͤriſchen / ſondern fuͤrchte die oͤber ⸗ keyt vnd thů gůts / Thůſtu boͤſes / ſo fuͤrchte dich ( ſpricht Pau ⸗ lus ) ſie tregt nicht vmb ſonſt das ſchwert. ſolche antwort were gnůg / allen die ſich an meynem buͤch lin ergern vnd unnuͤtʒe machen. Iſts nicht billich / das man das maul ʒuhalte / wenn man hoͤret / das Gott ſo ſagt vnd ha ⸗ ben will! odder iſt Gott ſchuldig / das er ſolchen unnuͤtʒen meuͤ⸗ lern vrſach vnd rechenſchafft gebe / warumb ers ſo haben wil! Ich meynet es wer gnůg! alle creaturen ʒu ſchweygen / wen̄ er nur mit eym aug winckte / ſchweyge den̄ / wen̄ er redet. Da ſtehe ſeyn wort / Meyn kind fuͤrchte Gott vnd den kuͤnig / Wo nicht / ſo wirdt deyn unfal plotʒlich kumen / et. Item Rom. 12. Wer Gottes ordnung widerſtrebt / wuͤrdt ein gerichte uͤberkummen. Warumb iſt hie S. Paulus auch nicht barmhertʒig ! ſollen wir gottes wort predigen / ſo muͤſſen wir ya das auch predigen / das den ʒorn verkuͤndiget / ſo wol als das die barmhertʒigkeyt verkuͤndiget. Man můß auch von der helle predigen / ſo wol als vom hymel / vnd auff beyden ſeyten uͤber die frumen vnd boͤſen Gottes wort / gericht / vnd werck helffen foddern / das die boͤſen geſtrafft vnd die frummen geſchutʒt werden.
Doch auff das der frum̅e Gott / vor ſolchen richtern bleyben a4r muͤge / vnd ſeyn vrteyl recht vnd reyn erfunden werde / woͤllen wir ſeyn wort wider ſolche freuele meuͤler vertretten / vnd vrſach anʒeygen / ſeyns Goͤtlichen willens / auff das wir auch dem teuͤ fel ʒwo kertʒen auffſtecken. ſie werffen mir fuͤr / das Chriſtus leret / ſeyt barmhertʒig wie ewer vatter barmhertʒig iſt. Item ich wil barmhertʒigkeyt vnd nicht das opffer. Item des men ⸗ ſchen ſuͤn iſt nicht kumen die ſeelen ʒůuerderben / ſondern ſelig ʒu machen / vnd der gleychen. Hie meynen ſie / das ſie es troffen ha ben / ſo ſolt der Luther geleret haben / das man ſich der bauren erbarmet hette / ſo leret er / man ſolle ſie flur toͤdten / wie duͤncket dich! laß ſehen / ob der Luther uͤber das stuͤcklin ſpringen werde ich meyne / er ſey gefangen. Wolan ich dancke meynen lieben meyſtern / dann wo mich ſolchs / diſe hohe geyſter nicht hetten geleret / wie wolt ichs gewiſt odder erfaren haben! Wie ſolt ich wiſſen / das Got barmhertʒigkeyt foddert / der ich bißher / mehr denn ſonſt keyner in tauſent jaren von der barmhertʒigkeyt gele ⸗ ret vnd geſchriben habe!
Es iſt der teuͤffel in der haut / der wolte gerne boͤſes thůn wen̄ er kuͤndte / darumb reget er vnd ſicht auch die gůten vnd frum ⸗ men hertʒen mit ſolchen ſtuͤcken an / das ſie ya nicht ſehen ſollen wie ſchwartʒ er ſey / vnd wil ſich vnter dem rhům der barmher ⸗ tʒigkeyt ſchoͤn machen / Es ſol in aber nicht helffen. Lieber die ir nun ſo trefflich ruͤmet die barmhertʒigkeyt / weyl die bauren ge ⸗ ſchlagen werden / warumb ruͤmetet ir dieſelbigen auch nicht / da die bauren tobeten / ſchlůgen / raubten / branten vnd pluͤnderten / das ſchrecklich ʒu ſehen vnd ʒu hoͤren war! Warumb waren ſie nicht auch barmhertʒig den fuͤrſten vnnd Herren / die ſie gantʒ vertilgen wolten! Da war niemandt / der von Barmherʒigkeyt ſagte / Es můſt alles recht ſeyn / da war barmhertʒigkeit geſchwi gen vnd nichts / Recht / recht / recht das galt vnd gieng empor / Nun ſie aber geſchlagen werden / vnd der ſteyn auff iren kopff felt / den ſie gehn hymel wurffen / ſol niemant vom ſecht ſagen / ſondern alleyne von barmhertʒigkeyt.
Vnd ſind dennocht ſo groß / vnnd meynen / man ſolle den a4v ſchalck nicht mercken. Nein man ſihet dich wol / du ſchwarʒer heßlicher teuffel / du rhuͤmeſt nicht die barmhertʒigkeyt / das dein ernſt ſey / vn̄ barmhertʒigkeyt lieb habeſt / du heteſt ſie ſonſt auch wider die bawrn gerhuͤmet / du foͤrchteſt der haut / vnd wolteſt mit dem ſcheyn vnd namen der barmhertʒigkeyt / der růten vnd ſtraff Gotes gerne entlauffen. Nicht ſo / lieber geſel / du můſt her halten / vnd on alle barmhertʒigkeyt ſterben. S. Paulus ſpricht / Thůſtu boͤſes / ſo foͤrcht dich / Den̄ die gewalt tregt das ſchwerd mit vmbſonſt / ſondern ʒū ʒoin dem der boͤſes thůt / Du wilt boͤſes thůn / vnd den ʒorn gleych woll nicht leyden / ſondern mit rhuͤ ⸗ men die barmhertʒigkeyt / dich decken / Ja kum morgen wider / wir woͤllen dir ein kuͤchlin daʒů backen / Wer kuͤndt das nicht! Ich woͤlt auch einem ynß hauß lauffen / weyb un̄ toͤchter ſchen den / kaſten auffbrechen / gelt vnd gůt nemen / vnd das ſchwerdt auff die brust ſetʒen / denn du biſt ein gotloſer. Wenn aber das ge ⸗ ſinde ʒů lieffe / vnd erwuͤrget mich / oder der richter ließ mich koͤ ⸗ pffen / woͤlt ich ruͤffen / Ey Chriſtus leret / ir ſolt barmhertʒig ſeyn vnd mich nicht erwuͤrgen / Was ſolt man dem ſagen! Eben ſo thůn meyne bawrn vnd bawrn verdeydinger yetʒt auch. Nun ſie haben an den herren allen můtwillen geuͤbt / wie die rauber / moͤrder / dieb vn̄ ſchelck / ſol man erſt ein liedleyn von der barmhertʒigkeyt ſingē vnd ſagen / ſeyt ir barmhertʒig / wie Chriſtus leret / vnd last uns toben / wie der teuffel leret / Thůt ir woll an vns / vnd laſt vns das ergeſt an euch thůn / Laſt euch wolgefallen vnd recht ſeyn / was mir gethon haben / vn̄ unrecht ſeyn / was ir thůt / Lieber / wer moͤcht des nicht ! Heyſt das barm hertʒigkeyt / ſo woͤllen wir ein feyn weſen anrichten / Nemlich / das kein ſchwerdt / oͤberigkeyt / gericht / ſtraffe / hencker noch ker ⸗ ker ſey / ſondern laſſen eynem yglichen bůben thůn was er wil / vn̄ wenn er ſol geſtrafft werden / woͤllen wir ſingen / Ey ſeyt barm ⸗ hertʒig / wie Chriſtus leret / O das ſolt ein feyne ordnung werden Da ſiheſtu / was die im ſynn haben / die meyn buͤchlin urteylen / als das alle barmhertʒigkeyt verſagt / ſie ſind gewißlich gůt bew riſch / b1r riſch / auffruͤriſch / vn̄ rechte bluthunde / oder werdē von ſolchen leůten verfuͤret / denn ſie wolten gerne alle vntugend vngeſtrafft haben / vnd ſind vnter der barmhertʒickeyt namen / die aller vn ⸗ barmhertʒigſten vnd grauſameſten verderber der gantʒen wellt ſo viel an in lege.
Ja ſagen ſie / wir geben den bawren nicht recht / weren auch der ſtraffe nicht / ſondern das dunckt vnd vnrecht / das du lereſt keyne barmhertʒickeyt ʒů haben mit den armen bawren / Den̄ du sprichst / man ſoͤlle ſie on alle barmhertʒickeyt toͤdten / Antwort ich / Meynſtu das recht / ſo byn ich guͤlden / Es ſind alles deckel deynes blutduͤrſtigē mutwillens / das dir der bauren weſen wol gefellt heymlich / Wo hab ich yhe mals geleret das man gar key ne barmhertʒickeyt ſoͤlle vben ! ſtehet nicht indem ſelbigen buͤch lein auch / das ich die oberkeyt bitte / ſie ſoͤllen die ienigen ſo ſich er geben / ʒu gnaden auffnemen! Warumb thuſtu die augen nicht auff / vnd lieſeſt das ſelbige auch ! ſo were dir nicht not geweſt / meyn buͤchlein ʒůuerdamnen / vnd dich ʒůergern / Weyl du aber ſo grifftig byſt / das du das eyne ſtuck alleine faſſeſt / da ich ſchrei be / man ſoͤlle die ienigen / ſo ſich nicht ergeben / noch hoͤrē woͤllen flur on alle barmhertʒickeyt hynwuͤrgen vnd leſt das andere ſte heben / da ich ſchreybe / man ſoͤlle die ienigen ſo ſich ergeben / ʒu gna den nemē / ſo sihet man wol / das du ein ſpynne ſiſt / die gifft auß der roſen ſeugt / vnd nicht war iſt / das du den bawren vnrecht gebeſt oder barmhertʒickeyt liebeſt / ſondern woͤlteſt gern eynn frey vngeſtraffte boßheyt haben / vn̄ das das weltliche ſchwerdt ʒů nichte wurde / du wirſts aber nit enden.
Das ſey den vnchriſtlichen unbarmhertʒigen bluthunden ge ⸗ ſagt / welche die ſpruͤche von der barmhertʒickeyt ruͤmen da hyn / das eyttel vntugent vnd vnbarmhertʒickeyt in der wellt regiren ſolle nach irem mutwillen / Den andern / die durch diſe verfuͤret / oder ſonſt ſo ſchwach ſind / das ſie meyn buͤchlein nicht muͤgen mit den ſprůchen Chriſti vergleichen / ſey dyß geſagt. Es ſind ʒweyerley reych / Eyns iſt Gottes reych / das ander iſt der wellt reych / wie ich ſo offt geſchrieben habe / das michs wundert / wie b1v man ſolchs noch nicht wiſſe oder mercke / denn wer dieſe ʒwey reich weyß recht von eynander ʒů ſcheydē / d wird ſich freylich an meynē buͤchlein nit ergern / wird auch die ſpruͤch von d barm hertʒigkeyt wol vernemē / Gotts reich iſt ein reich der gnadē vn̄ barmhertʒigkeyt / vn̄ mit eyn reich des ʒorns oder ſtraffe / den̄ da ⸗ ſelbſt iſt eyttel vergeben / ſchonen / lieben / dienen / wolthůn / frid / unnd freude haben rc. Aber das welltlich reich iſt eyn reich des ʒorns vnd ernſts / den̄ daſelbſt iſt eyttel ſtraffen / weren / richten / vn̄ urteylen / ʒuͤ ʒwingen die boͤſen vn̄ ʒů ſchuͤtʒen die frumē / dar umb hat es auch vnd fuͤret das ſchwerdt / vn̄ ein fuͤrst oder herr / heyſt Gottes ʒorn oder Gottes rute in der ſchrifft. Eſa, xiiii. Die ſpruͤch nun / die von der barmhertʒiʒigkeyt ſagen / gehoͤren in Gotes reich vnd vnter die Chriſten / nicht in das weltlich reich / den̄ eyn Chriſten ſoll nicht allein barmhertʒig ſeyn / ſondern auch allerley leyden / raub / brand / mord / teuͤffel vn̄ hell / ſchweyge den̄ das er ſollt yemandt ſchlahen / toͤdten oder vergelten / Aber das welltlich reych / welchs iſt nichts / denn Goͤttlichs ʒorns diener vber die boͤſen / vn̄ ein rechter fuͤrlaufft der hellen / vn̄ erwiges tod tes / ſoll mit barmhertʒig / ſonder ſtreng / ernſt vnd ʒornig ſeyn / in ſeinē ampt vn̄ werck / Den̄ ſeyn handʒeůg iſt nit eyn roſenkrantʒ oder ein bluͤmlein von der liebe / ſondern ein bloß ſchwerdt / Eyn ſchwerdt aber iſt ein ʒeichen des ʒorns ernſts vn̄ der ſtraff / vn̄ iſt auch nyrgent hyngericht / den̄ auff die boͤſen / auff die ſelbigen ſi het es / das es ſie ſtraff vn̄ im ʒaum vn̄ frid halt / ʒum ſchutʒ vnd errettung der frumen / darūb ſetʒt Gott im geſetʒ Moſi vn̄ Ero. rrii. da er das ſchwerdt eynſeʒt! vn̄ ſpricht / du ſoͤllt den moͤrder auch von meynē alltar nemen / vn̄ dich ſeyn nicht erbarmen / Vn̄ die Epiſtel ʒun Ebreern betken̄et / das / wer wider das geſeʒ thett muſt on alle barmhertʒigkeit ſterbē / damit iſt angeʒeigt / das die weltlich oͤberkeyt in irem eygen ampt / nicht kan noch ſoll barm ⸗ hertʒig ſein / wie wol ſie das ampt mag laſſen ſeyrē auß gnaden.
Wer nu diſe ʒwey reich in einander woͤllt mengē / wie unſer fal ſchen rotten geyſter thůn / der wuͤrd ʒorn in Gots reich ſetʒen / vn̄ barmhertʒigkeyt der wellt reich / das wer / eben den teufel in den b2r hymel / vnd Gott die hell ſetʒen / Alle beydes wollten diſe beuͤrl ſchen auch gern thůn / Vorhyn wolten ſie mit dem ſchwedt fa ⸗ ren vnd als Chriſtliche bruͤder für das Evangelion ſtreytten vn̄ andere toͤdten / da ſie ſolten barmhertʒig vnd gedultig ſein / Itʒt nu das welltlich reich uͤber ſie gehet / wollen ſie barmhertʒigkeyt drynnen haben / das iſt / ſie woͤllen keyn weltlich reich leyden / vn̄ doch ſelbſt Gots reich auch niemant gonnen / Was moͤcht ver kereters erdacht werden! Nicht alſo lieben freuͤnd / hat man ʒorn verdient im welltlichen reich / ſo gebe man ſich dreyn vnnd leyde die ſtraff oder bitte ſie demuͤtiglich abe / Die aber in Gottes reich ſind / ſoͤllen ſich ydermans erbarmen vn̄ fuͤr ſie bitten / Aber doch dem welltlichen reich ſeyn recht vnd werck nicht hyndern / ſon ⸗ dern helffen fuͤddern.
Wie wol aber ſolcher ernſt vnd ʒorn des welltlich reychs / ein vnbarmhertʒig ding ſcheynet / wo mans doch recht anſihet iſts nicht das geringſt ſtuͤck Goͤttlicher barmhertʒigkeyt / den̄ ne me eyn yglicher ſich ſelbſt fuͤr / vnd ſag mir hierauff eyn vrteyl / Wenn ich weyb vnd kind / hauß vnd geſind / habe vn̄ guͤter het vnd eyn dieb oder moͤrder uͤberfiele mich / erwuͤrget mich in mein em hauß / ſchendet mir weyb vnd kind / neme daʒu was ich het / vnd er ſollt daʒu vngeſtrafft bleýben / das ers mehr thett / wo er woͤllt / ſag mir / Welcher wer hier der barmhertʒigkeyt am wirdig ſten vnd noͤttigſten ! ich oder der dieb vn̄ moͤrder ! on ʒweyffel mir were es am noͤttigſten / das man ſich meyn erbarmet ! Wo will man aber ſolche barmhertʒigkeyt an mir vn̄ meynen armen / elen den / weyb vnd kind beweyſen / man were den̄ ſolchen bůben vnd beſchuͤtʒe mich vn̄ hallt mich beym rechtē / oder wo er im nit we ren leſt vn̄ fort feret / das man im ſeyn recht thů / ſtraffe alſo / das ers laſſen muͤſſe ! Welch eyn feyne barmhertʒigkeit wer mir das / das man dem dieb vnd moͤrder barmhertʒig wer / vnd ließ mich von im ermordet / geſchendet vnd beraubt bleyben!
Auff ſolch barmhertʒigkeyt / die im welltlichen ſchwerdt re ⸗ girt vn̄ handelt / ſehen ſolche beuriſch verteydinger nicht / ſperrē nur die augen vn̄ maul auff uͤber den ʒorn vn̄ ernſt / ſprechē wir b2v heuchlen den wutrichen fuͤrſten vnd herrn / das wir ſie leren die boͤſen ſtraffen / ſo ſie ʒehē mal erger heuchler ſind der moͤrdiſchen buben vnd boͤſen bawren / vnd ſelbſt auch mit blutdurſtige moͤr ⸗ der ſind mit auffruͤriſchem hertʒen das ſie ſich der ienigen gar ni chts erbarmen / die durch die bawren uͤberweldigt / beraubt / ge ⸗ ſchendet / vnnd ʒů allerley vnrecht gedrungen werden / Den̄ wo der bawrn fuͤrnemen fuͤrſich were gangē / het keyn redlich mann fuͤr in muͤgen ſicher bleyben / ſonder wer eyns pfennings mehr ge ⸗ habt haͤtte / der hette muͤſſen herhalten / wie ſie denn ſchon ange ⸗ fangen haͤttē / vnd were da bey noch nicht blieben / Es haͤtte for der weyb vnd kind ʒuͤ aller ſchanden můſſen herhalten / vnd ſich ſelbs vntereinander erwuͤrget / das nymer keyn fride noch ſicher ⸗ heyt were blieben / Was iſt yhe vngeʒogeners gehoͤrt / den̄ der tol le boͤffel vnd bawr / wenn er ſatt vnd voll iſt vnd gewalt kriegt / wie Salomo ſagt Prouerbi. xxx. das ſoͤlche leuͤte die erden nicht kan ertragen.
Vnd ſolcher leuͤte ſolt man ſich aller erst erbarmen vnd ſie laſ ſen toben / wie ſie wollten / mit ydermans leyb / leben /weyb / kind ehre vnd gut an alle ſtraffe / vnd laſſen die vnſchuldigen an alle barmhertʒickeyt / huͤlffe vnd troſt ſo ſchendlich uͤmbkomen vor unſern augē / Ich hoͤre beſtendiglich ſagen / das man den Bam bergiſchen bawren angeboten hat / man woͤllte in mehr nachlaſ ⸗ ſen / den̄ ſie batten / ſie ſoͤllten nur ſtille ſitʒen / noch wollten ſie nit Vnd Marggraff Casymyrus den ſeynē gelobt / was andere mit ſtreyt vnnd auffrur erwůrben / wollte er in ſonſt nachlaſſen mit gnaden / das halff auch nicht / ſo weyß man ia wol / das die Frenckiſſchen bawrn nichts / denn rauben / brennen / brechen vn̄ verderben fuͤr hetten auß lautter mutwillen. Die Duͤringiſchen bawrn hab ich ſelbs erfaren / das ye mehr man ſie vermanet vn̄ leret / yhe ſtorriger / ſtolʒer / toller ſie wurden / vnd haben ſich al ⸗ lenthalben alſo mutwillich vnnd trotʒig geſtellet / als wollten ſie an alle gnade vnnd barmhertʒickeyt erwuͤrget et ſeyn / vnnd haben Gots ʒorn gleich auffs aller hoͤnlichſt trotʒ geboten ſo gehet es jn auch nun / wie der. cviij. Pſalm ſagte / ſie wollten der gnad mit b3r ſo kompt ſie auch nu ferne gnug von in.
Drumb hat die ſchufft feyne / reyne augen / vnd ſihet das welt lich ſchwert recht an / als das auß groſſer barmhertʒickeyt mus vnbarmhertʒig ſeyn / vn̄ fuͤr eyttel guͤte / ʒorn vnd ernſt uͤben / wie Paulus vnd Petrus ſagen / das es Gottes diener ſey / ʒur rach / ʒorn vnd ſtraffe uͤber die boͤſen / vnd ʒum ſchutʒ / lob vnnd ehren der frumen / Die frumen ſihet es an vn̄ erbarmet ſich uͤber die ſel ⸗ bigen / vn̄ auff das denſelbigen nichts leydes geſchehe / weret es / beyſt / ſticht / ſchneydt / hawet / mordet / wie im Gott befolhē hat des diener ſichs hyrynnen erkennet / Das nu die boͤſen an gnade ſo geſtrafft werden / geſchicht nicht darumb / das alleyne der boͤ ſen ſtraffe geſucht / vnd die luft in irem blute gebuͤſt werde / ſon ⸗ der das die frumen geſchutʒt / fride vnd ſicherheyt erhalten wer ⸗ den / welchs on ʒweyfel koͤſtliche werck ſind / groſſer barmhertʒi ckeyt / liebe / vnd guͤte ( ſintemal nicht elender ding auff erden iſt / denn vnfride / vnſicherheyt / vnterdruckung / gewalt / vnrecht rc den̄ wer kondte odder woͤllte leben bleyben / wo es ſo ſoͤllte ʒů ge ⸗ hen! Der halbē iſt des ſchwerds ʒorn vn̄ ernſt ia ſo not im volck als eſſens vnd trinckens / ia als des leben ſelbſt.
Ja ſagen ſie / Wir reden nicht von den halſtarrigen bawren / die ſich nicht ergeben woͤllen / ſondern von denen die vberwun ⸗ den ſind oder ſich ergeben haben / Mit ſolchē foͤllt man ia barm ⸗ hertʒigkeyt vben / vn̄ nicht ſo grewlich mit inen vmbgehen / Ant worte ich / ſo muſtu ia auch nicht frum ſeyn / das du meyn bůch leyn ſo leſterſt / als rede ich von ſolchen vberwunden ergebenen bawren / ſo ich doch ſo klerlich dryn̄en rede / von denen / die man ʒů erſt freůntlich erſucht / ſie aber nicht woͤllen / Es gehen ia alle meyne wort wider die halſtarrigen verſtockten / verblendtē baw ren / die wider ſehen noch hoͤrē woͤllen / wie man es greyffen mag vn̄ du ſpuchſt / ich lere die elendē gefangnen bawrn an alle barm hertʒigkeit wuͤrgen / Wen̄ du ſo willt buͤcher leſen vn̄ deuten nach deinē mutwillen / welch buch will fuͤr dir bleiben! drumb wie ich daʒu mal geſchrieben hab / ſo ſchreibe ich noch / der hallſtarrigen verſtockten / verblendten bawren / die in nicht ſagen laſſen / erbar b3v me ſich nur niemant / ſonder hawe / ſteche / wuͤrge / ſchlahe drein als vnter die tollen hund / wer da kan / vnd wie er kan / vnd das alles / auff das man ſich der ihenigen erbarme / die durch ſolche bauren verderbt / veriagt vnd verfuͤrt werden / das man frid vn̄ ſicherheyt erhalte / Es iſt ya beſſer das man ein glid abhawe on alle barmhertʒigkeyt / den̄ das der gantʒe leyb verderb von fewe odder der gleychen ſeuͤche . Wie gefelt dir das ! Bin ich auch noch ein Evangeliſcher prediger / der gnad vnd barmhertʒigkeit leret! Bin ich dirs nicht / da ligt nicht macht an / denn du biſt ein blůthund vnd auffruͤriſcher moͤrder vnd verderber des lands / mit deynen tollen bauren / den du heuchelſt in irem auffrůr. Weyter ſagen ſie / Die bauren haben ia noch niemant erwuͤrgt wie man ſie erwuͤrgt. Lieber / was ſol man ſagē / wilch ein ſchoͤn antwort iſt das / Sie haben niemant erwuͤrgt / das macht / man můſt thůn / was ſie wolten / ſie drewten aber gleich wol ʒů toͤdtē wer nicht gebuͤret / griffen die guͤtter / heuͤſer vnd habe an / Alſo moͤ chte ein dieb vnd moͤrder auch kein moͤrder ſeyn / der mir mit dem tod drewen / abdruͤnge was er wolt / Heten ſie aber gethan / was man freuͤntlich von inen begerte / ſo hette man ſie auch nicht ge ⸗ toͤdtet / da ſie aber nicht wolten / war es recht / das man in thet / wie ſie gethan hetten vnd ʒuthůn dreweten denen / die nicht wie ſie / woltē. ʒů dem / ſo ſind ſie offentlich treuͤloß / meyneydige / vn gehorſame / auffruͤriſche dieb / reuͤber / moͤrder vnd Gots leſterer das ir keyner iſt / er hat den tod wol ʒehenfeltig verdienet on alle barmhertʒigkeyt ʒů leyden. Man wil ye mit dem ſchalckß auge ſehen alleyn auff die ſtraff / wie wehe ſie thůt / vn̄ nicht auch auff die ſchuld vnd verdienſt vnd unaußsürechlichen ſchaden vnd verderben / das do hette muͤſſen volgen. Thůt dir die ſtraff weh ſo laß die boßheyt / wie Paulus auch ſolchen antwortet / Rom. 13. Wiltu das ſchwert nicht fuͤrchten / ſo thů gůts / Thůſtu aber boͤſes / ſo fuͤrchte dich / et.
Ʒum dritten ſagen ſie / die herrn mißbrauchen irs ſchwerts / vn̄ wuͤrgē ja ʒugreuͤlich / et. Antwort ist / was geht dʒ mein buͤchlin b4r an! was legſtu frembde ſchuld auff mich ! Mißbrauchen ſie der gewalt / ſo haben ſie es von mir nicht gelernt / ſie werden iren teyl woll finden / denn der oͤberſt richter / der die mutwilligen bawrn durch ſie ſtrafft / hat ir nicht vergeſſen / ſie werdē im auch nicht entlauffen / Meyn buͤchlin ſaget nicht / was die herrn verdienen ſondern was die baurn verdienen / vnd wie man ſie ſtraffen ſol / damit hab ich niemand geheuchelt / Gibts die ʒeyt vnnd ſache / das ichs thůn ſoll / ich werd die fuͤrſten vnd herren auch woll angreyffen / den̄ ſo viel es meyn ampt des lerens antrifft / gilt mir ein fuͤrſt eben ſo viel als ein baur / ſo hab ich mich ʒwar bereyt vmb ſie alſo verdienet / das ſie mir nicht alʒu hold ſind / da ligt mir auch nicht vil an / Ich hab eynen / der iſt groͤſſer denn ſie al le / wie S. Johannes ſagt.
Het man aber meynem rath am erſten gefolget / da die auff ⸗ růr anfing / vnd flur eyn baurn oder hunder dran gewagt / vnd auff die koͤpff geſchlagē / das ſich die andern dran geſtoſſen het ten / vnd het ſie nicht ſo laſſen uͤberhand nemen / ſo hette man da ⸗ mit viel tauſent erhalten / die nun haben muͤſſen ſterben / vnd we ren wol daheymen bleiben / das wer eyn noͤttige barmhertʒigkeyt geweſt mit geringē ʒorn / da man nu hat muͤſſen ſo groſſen ernſt brauchen / ſo vilen ʒů ſteuren.
Aber es iſt Gottes will alſo geſchehen / vns auff beydē ſeytten ʒůwitʒigen / Erſtlich die baurn / das ſie lerntē / wie in ʒů woll ge weſt iſt / vn̄ guͤte tag im frid mit mochtē erleydē / das ſie hynfůrter Got lernten dancken / wen̄ ſie ein kue muͤſten geben / auff das ſie der andern mit friden genieſſen moͤgen / den̄ es iſt allʒeyt beſſer die helfft des gůts mit fridē vn̄ ſicherheit beſeſſen / den̄ das gantʒ gůt alle augenblick in fahr vnter die dieben vn̄ moͤrdern haben / vn̄ doch nit haben / Die baurn muſten nicht / wie koͤſtlich ding es ſey vmb frid vn̄ ſicherheit / das einer mag ſeinē biſſen vn̄ trunck froͤlich vn̄ ſicher genieſſen / vn̄ dancktē got nit drūb / das muͤſt er ſie itʒt auff diſe weyſe lerē / das ſie der kuͤtʒel vergieng / Den herrn war ſolchs auch nuͤtʒ / das ſie erfuͤrē / was hynder dē poͤffel ſteckt / vn̄ wie im ʒůuertrawē wer / auf dʒ ſie hinfuͤrder lerntē recht regirn / land vn̄ b4v ſtraſſen beſtellē / War doch keyn regiment noch ordenunge mehr Es ſtund alles offen vn̄ muͤſſig / ſo war auch keyne forcht noch ſchewe mehr im volck / Eyn yglicher thet ſchir / was er wollte / Niemandt wollt nichts geben / vnd doch praſſen / ſauffen / kley ⸗ ben vn̄ muͤſſig gehen / als weren ſie allʒuͤmal herren / Der eſel will ſchlege habē / vn̄ der pofel will mit gewalt regirt ſeyn / das wuſte Gott wol / darūb gab er der oͤberkeyt nicht einē fuchsſchwantʒ ſondern ein ſchwerdt in die hand.
Das iſt auch nicht der geringſten ſtuͤck eins / das ſie auffmutʒ en. Es ſeyen viel frumer leuͤte vnter den bawren geweſt / die vn ⸗ ſchuldig daʒu komen / vnnd habens muͤſſen thůn / welchen fůr got vnrecht geſchicht / das man ſie ſo hynrichtet / Antworte ist Man redt von ſoͤlchen ſachen als hette man nie keýn wort gotts gehoͤret / drumb muß ich auch hie antwortē / als denen / die noch iunge kinder oder heyden weren / ſo gar nichts iſt außgericht vn ter den leuͤten mit ſo vielen buͤchern vnd predigen. Erſtlich ſa ⸗ ge ich / das denen nicht vnrecht geſchicht / die von den bawren daʒů geʒwungen ſind / Es iſt auch keyn Chriſten mann vnter in blieben / vnd komen auch nicht vnſchuldig daʒů / wie ſie fuͤr ge ⸗ ben / Es leſt ſich wol ſo anſehen / als geſchehe in vnrecht / Es iſt aber nicht ſo / Sage du doch mir lieber freuͤndt / was iſt das fuͤr eyn entſchuldigunge / wenn dir yemandt deynen vater vnd mu ⸗ ter erwůrgete / ſchendete dein weyb vn̄ kind / verbrente dein hauß vnnd neme dir deyn gellt vnd gut / ſpreche darnach / Er hette es muͤſſen thůn / Er were daʒů geʒwungen !
Wer hat yhe gehoͤrt / das yemand geʒwungen moͤcht werden guts oder boͤſes ʒůthůn ! Wer kan eines menſchen willen ʒwin ⸗ gen! O es beſteht nicht / Es laut auch nicht / das man ſagt / Ich muß vnrecht thůn vnd werde daʒů geʒwungen / Chriſtum vnd das wort Gotes verleucken iſt groſſe ſůnde vn̄ unrecht / Es wer den auch viel daʒů geʒwungen. Meynſtu aber das ſie damit ent ſchuͤldiget ſind ! Alſo / auffrůr machen / der oͤberkeit vngehorſam treulos vnd meyneydig werden / rauben vnd brennē / iſt groß vn recht / vn̄ etliche bauren ſind daʒů geʒwungen / was hilfft ſie das Warumb c1r Warumb laſſen ſie ſich ʒwingen! Ja ſagen ſie / man drewet mir meyn leyb vnd gůt ʒu nemen. Ey lieber / auff das du leyb vn̄ gůt behalteſt / wiltu Gottes gebot uͤbertretten / mich erwuͤrgen meyn weyb vnd kind ſchenden / wie keme Got vnd ich daʒů! wolteſtu es auch von mir ſo leyden! Wenn du alſo geʒwungen wereſt / das dich die bauren mit henden vnd fuͤſſen gebunden / vn̄ mit ge walt vnter ſich gefuͤrt heten / vnd du mit dem munde dich gewe ret / vnd ſie darumb geſtrafft vnd alſo deyn hertʒ bekant vnd be ⸗ ʒeuͤgt hetteſt / das es nicht gerne thete / noch drein verwilligete / ſo beſtuͤndeſtu mit ehren / vn̄wereſt warlich mit dem leybe geʒwun gen / aber doch mit dem willen vngeʒwungen / Nun du aber ſtil ſchweygeſt / ſtraffeſt ſie nicht / folgeſt gleych wol mit dem hauf fen / vnd bekenneſt deynen vnwillen nicht / hilfft dichs nicht vnd iſt ʒů lange geharret / das du nun wilt aller erſt beken̄en deynen vn willen / dan̄ Gots gebot ſolteſtu mehr fuͤrchten vnd achten dan̄ die menſchen / ob du gleych fahr vn̄ den todt druͤber wagen muͤſt eſt / Er wuͤrde dich nicht gelaſſen / ſonder trewlich beygeſtandē / errettet vn̄ geholffen haben. Derhalben wie die verdamt werden die got verleuͤgnē / ob ſie gleich daʒů geʒwungē werdē / alſo ſind auch die bauren nit entſchuͤldigt / das ſie ſich habē dringē laſſen. Wenn die entſchuͤldiung ſolt gelten / ſo muͤſt man keyn ſuͤnd noch laſter ſtraffen / denn wo iſt ein ſuͤnd / daʒů nicht der teufel vnd das fleyſch vnnd die welt treybt vnd gleich ʒwingt! Meyn ſtu nit / das ʒu ʒeyten ein boͤſe luſt mit ſolcher brunſt vnd wuͤten ʒum ehbruch treybt / das es moͤcht ein groſſer drang vnd ʒwanck heyſſen / denn ob man eynen bauren ʒum auffrůr druͤngte! Denn wer iſt ſeyns hertʒen mechtig! We kann dem teuffel vnnd fleyſch widerſtehen / Iſts doch nicht muͤglich / das wir vns der gering ſten ſuͤnde weren moͤchtenn / sintemal die ſchrifft ſagt / das wir des teuͤfels gefangen ſind / als vnſers fuͤrſten vnnd Gotes / das wir thůn muͤſſen / was er wil vnd vns eyngibt / wie das ʒu wey ⸗ len etliche greuliche geſchichte beweyſen / ſolt es drumb vnge ⸗ ſtrafft vnd recht ſeyn! Nicht alſo / es heiſt Got ʒu huͤlffe anruͤf ⸗ fen / vnd widerſtehen der ſuͤnden vnd dem vnrechten / Stirbſtu odder leydeſt druͤber / wol dir / vnd selig iſt deyne ſeele vor Gott c1v vnd der welt in den hoͤchſten ehren / Weichſtu aber vn̄ folgſt / ſo můſtu doch ſterben mit ſchanden vor Got vn̄ der welt / das du dich ʒū unrecht haſt laſſen ʒwingen / ſo were es ja beſſer / du ſtuͤr beſt mit ehren vnd ſeligkeyt / Got ʒů lobe / den̄ das du mit ſchan ⸗ den doch muͤſteſt ſterben / dir nur ʒur ſtraffe vnd peyn. Ja ſprichſtu / herr Got / wer ſolcgs hette gewuſt / ſo ſag ich auch / herr Gott / was kan ich daʒů! Vnwiſſen wirt auch nicht entſchuͤldigen / ſol ein Chriſten nicht wiſſen was im ʒů wiſſen iſt warumb lernt mans nicht! warumb helt man nit gůte prediger Man wil mit willen vnwiſſend ſeyn. Das Euāgelion iſt in teů ⸗ tſche land kum̅en / vil verfolgen es / wenig begeren es / vil weni ⸗ ger nemen es an / vnd die es annemen / ſtellen ſich ſo laß vn̄ faul daʒů / laſſen ſchůlen vergehen / pfarren vnd predigſtuͤlen fallen / niemand denckt das man es erhalte vnd leuͤt auffʒiehe / vn̄ laſſen vns allenthalben ſehen / als were es vns leyd / dʒ wir etwas lern ⸗ ten / vnd gern wolten nichts wiſſen / was iſts denn wunder / ob vnd Got auch heymſůcht / vnd widerumb ein ſtuͤck ſehen leſt / ʒu ſtraffen ſeyns Euangelions verachtung / darynnen wir alle ſchuͤldig ſind / ob wir gleich etlich des auffrůrs vnſchuldig ſind die wir wol ergers verdient habē / auff dʒ er vns vermane vn̄ ʒur ſchůlē iagte / damit wir ein mal auch witʒig vn̄ wiſſend wurden! Wie můß man thůn in kriegß leuffen / da auch der vnſchuldig mit dem ſchuldigen fort duͤnckt / da auch witwen vn̄ weyſen wer den! Es ſind plagen von gott vns ʒůgeſchickt / vnd ſunſt etwa wol verdient / welche warlich einer mit dem andern leyden můß woͤllen wir anders bey einander wonen. Dan̄ wie man ſpricht / Ein nachbar iſt dem andern ein brand ſchuldig. Wer in der ge ⸗ meyn wil ſeyn / der můß auch die laſt / fahr vnd ſchaden der ge ⸗ mein helffen tragen vnd leiden / ob ers gleych mit verwirckt hat / ſonder ſein nachbar / eben wie er des frids nutʒs / ſchutʒs / gůts / freyheit vn̄ gemach der gemeine geneůſt / ob er dieſe Bigen gleich nit erworben noch ʒu wegen bracht hat / vn̄ mit Hiob lernen ſin ⸗ gen vnd ſich troͤſten / haben wir gůts vō Herrn empfangē / war umb ſoͤlten wir dʒ boͤß auch nit tragen! ſo vil gůter tag ſind ya c2r einer boͤſen ſtund wert / vn̄ ſouil gůter iar ſind auch eins boͤſen ta ges oder jars wert / wir haben lang ʒeyt frid gehabt vnd gůte tag / biß wir ʒu geil vn̄ kutʒel wordē / nit wuſten was frid vn̄ gůte tag waren / danckten auch got nit ein mal drumb / dʒ muͤſſen wir nu lernen. ¶ Ja wir muͤgen vns ſolcher klag vnd murrens wol ent halten / dʒ rath ich / vnd got dancken / das durch ſeyn gnad vnd barmhertʒigkeit nit groͤſſer vngluͤck uͤber vns iſt kumen / wie der teufel im ſin̄ het / durch die bauren anʒůrichtē / gleich wie Jeremi as thet / da die Juden vertriben / gefangen vn̄ ermoͤrt waren / troͤ ⸗ ſtet er ſich vnd ſprach / Es iſt gotes gnad vnd guͤte / das wir nit gantʒ vn̄ gar ſind umbracht / Vn̄ wir teuͤſchen / die wir vil erger den̄ die Juden ſind / vnd dennoch nit ſo vertriben vnd erwuͤrgt / woͤllen aller erſt murren vn̄ vngedultig vnd vns rechtuerdigen / vnd nit ein teil an vns laſſen wuͤrgē / damit got noch mehr erʒuͤr ⸗ net werd / vnd laß vns ʒů boden gehen / thů die hand ab / vn̄ gebe vns gantʒ vn̄ gar dem teufel / wir thůn wie die tollē teuͤtſchē pfle gen / die nit von got wiſſen / vnd reden von ſolchē ſachen / als ſey kein got / der ſolchs thů vnd haben woͤll / vnd dencken gar nichs ʒů leiden / ſonder eytel iunckern ʒuſein / die auff kuͤſſen ſitʒen / vn̄ thůn moͤchten nach allē můtwillen. ¶ Den̄ das ſolteſtu wol geſehen haben / wo des teufels ding in den baurn wer fuͤrſich gangē / vnd got in durch beten frum̅er Chriſten / nit het mit dē ſchwert alſo ge weret / ſo wer es in gantʒē teutſchen land worden vn̄ gangē wie es denen itʒt geht / die erſtochen vnd vmbracht werden vn̄ noch viel erger / da wer keyner vor dē andern ſicher bliben / ein yeglicher het den andern erwuͤrgt / hauß vn̄ hoff verbrant / weib vn̄ kind ge ⸗ ſchent / den̄ es war auß got nit angefangen / vnd kein ordnūg da vnd ſtund bereit vnter in alſo ! dʒ keyner dē andern trawet noch glaubt / ſetʒten einen haubtman nach dem andern ab / vnd můſt gehn / nit wie redliche leut / ſonder wie die aller loſeſtē bůben ſagten vnd wolten / dan̄ der teuͤfel hete es im ſinn / er wolte teutſch land gantʒ vnd gar verwuͤſten / weyl er dem Euangelio ſonſt nicht weren kunte. Vn̄ wer weyß was noch geſchehen wirt / wen̄ wir ſo murren vn̄ vndanckbar ſeyn woͤllen! Got kan die bauren wol noch ein mal laſſen toll werden / odder ein anders angehn laſſen c2v das hernach erger werde den̄ ytʒt. Mich duͤnckt / es ſey ein gůte ſtarcke vermanunge vn̄ drewen gewesſt / Verſehen wirs vnd ke ren vns nicht dran / vnd fuͤrchten got nicht / ſo muͤgen wir ſcha ⸗ wen / was vns begegnet / das nit diß ein ſchertʒ geweſt ſey / vnd der ernſt hernach folge.
Ʒů letʒt moͤcht man ſagē / Du lereſt ſelbs auffrůr / weil du ſpri ⸗ cheſt / man ſol flur ʒůhawen vn̄ ſtechen in die auffruͤriſchen wer nur kan / ein yglicher ſey beyde oͤberſter richter vn̄ ſcharpffrichter in diſſem fall. Hie antworte ich / Meyn buͤchlin iſt nicht widder ſchlechte uͤbelthetter / ſonder wider die auffruͤriſchen / geſchriben. Du můſt aber einen auffruͤriſchen weyt / weyt ſondern von eynē moͤrder odder rauber / odder ſonſt einem uͤbeltheter / den̄ ein moͤr ⸗ der odder ander uͤbeltheter leſt das haubt vnd oͤberkeit ſtehen / vn̄ greyfft nur ſeyne glider odder guͤter an / Ja er fuͤrcht ſich vor der oͤberkeyt. Weil nu das haubt bleibt / ſol niemand ſolchen moͤrder angreiffen / weil das haubt in ſtraffen kan / ſondern harren auff das vrteil vn̄ befelh des haubts / welchem Got das ſchwert vnd ampt ʒů ſtraffen befolhen hat. Aber ein auffruͤriſcher greifft das haubt ſelbs an / vn̄ fellt im in das ſchwert vnd ampt / das ſein fre uel kein gleichen hat gegen dem moͤrder / hie iſt nit ʒů harren / biß das haubt befelh thů vnd vrteyle / den̄ es kann nit vnd iſt gefangē vn̄ geſchlagen / ſonder ſol zulauffen / wer da kan / vnberůffen vn̄ vnbefolhen / vnd als ein getrewes lid ſeyn haubt helffen retten/ mit ſtechen / hawen / wuͤrgen / vn̄ ʒum haubt ſetʒen leyb vnd gůt Das můß ich mit eim grobē gleychnus einbilden / wen̄ ich eins herrn knecht were / vnd ſehe das ſein feynd auff in lieffe mit bloſ ⸗ ſem ſchwert / vnd ist kuͤnt das weren / ſtuͤnde aber stille / vn̄ ließ meynen herrn ſo ſchentlich erwuͤrgen / ſage mir / was wuͤrd von mir ſagen beyde Got vnd welt! wurden ſie nit billich ſagen / ich were ein verʒweyfelter boͤßwicht vnd verreter / vn̄ muͤſte gewiß ⸗ lich kopff vnd teyl mit dem feynd haben! fuͤre ich aber ʒů vnd ſpruͤnge ʒwiſchen feynd vnd herrn eyn / vnd ſetʒt meynen leyb fuͤr meýnen herren / vnd erſteche den feynd / were das nicht ein erba re redliche that / die vor Gott vnd der welt gelobt vnd gepreyſet wuͤrde / odder ſo ich druͤber erſtochē wuͤrde / wie kuͤnd ich Chriſt c3r licher ſterben! ſintemal ich im rechten Gottes dienſt ſtuͤrbe / ſo vil es am werck ſelbſt ligt / vnd were glaube dabey / were ich ein rechter heyliger maͤrterer Gottes.
Wen̄ ich mich aber entſchuͤldigen wolte vnd ſagen / Ich hielt drumb ſtille / biß mich meyn herr ſolt heyſſen weren / was wuͤrd die entſchuͤldigūg thůn / den̄ das ſie mich ʒwifeltig mehr beſchuͤl digt / vnd mich wirdig macht / das mich yederman verflůcht / als der noch ſchertʒ tribe in ſolcher boßheyt. Hat nicht ſolchs al les Chriſtus im Euangelio ſelbs gelobet vnd fuͤr recht angeʒo ⸗ gen / daß knechte ſollen fuͤr ire herrn ſtreyten / da er vor Pylato ſtund vnd ſprach / Wen̄ meyn reich von diſer welt were / ſo wuͤr den meyne knecht fuͤr mich ſtreyten / das ich nit den Juden uͤber antwortet wuͤrde. Da ſiheſtu / das vor Gott vnd der welt recht iſt / daß knecht fuͤr ire herrn ſtreytē / was were ſunſt das weltlich regiment. Nun ſihe / ein ſolcher man iſt der auffruͤriſche / das er auffs haubt vnd den herrn lauft mit bloſſem ſchwert / Da ſol nie mandt harren / biß der herr heyſſe weren / ſondern ʒůfaren vnd in den boͤßwicht ſtechen / vngeheyſſen / wer am erſten kan / vnd ſol mit ſorgen / das er einen mord begehe / ſonder wer weret eim ertʒmoͤr der / der das gantʒ land morden wil / Ja wo er nicht ſticht vnd moͤrdet / ſonder leſt den herrn ſtechen / ſo iſt er auch ein ertʒmoͤr ⸗ der. Den̄ er můß vnd ſolt als dan̄ dencken / weyl ſeyn herr leydet vn̄ ligt / das er ſey herr / richter vnd ſchwarpffrichter in dē fall / dan̄ auffrůr iſt kein ſchertʒ / vnd kein uͤbelthat auff erden iſt ir gleich / Andere vntugēt ſind eintʒele ſtuͤck / auffrůr iſt ein ſyndfluß aller vntugent. ¶ Ich bin ein geyſtlicher man genant vnd fuͤre des worts ampt / aber doch wen̄ ich gleich eins tuͤrckiſchē herrn kne cht were / vn̄ ſehe meynen herrn in der fahr / ich wolt meins geiſt ⸗ lichē ampts vergeſſen / vn̄ friſch ʒůſtechen vn̄ hawen / weil ich ein ader regen kuͤnd / wurd ich druͤber erſtochen / wolt ich in dē werk von mund auff gen hymel faren / den̄ auffrůr iſt keins gerichtes / keiner gnad wert / ſie ſey vnter heiden / Juden / Tuͤrcken / Chriſten odder wo ſie woͤlle / ſonder ſie iſt ſchon verhoͤrt / gericht vnd ver urteylt vnd dē tod uͤberantwortet in eins yeglichen hand / drum̅ iſt hie nit mehr ʒuthůn den̄ flur ʒuwuͤrgen vn̄ dem auffruͤrer ſein c3v recht ʒůthůn. Solch uͤbel thůt vnd verdienet keyn moͤrder / den̄ eyn moͤrder thůt ein strefflich boßheyt vn̄ leſt die ſtraff bleiben / ein auffruͤriſcher will ein frey vnſtreffliche boßheyt haben / vnd greyfft die ſtraff ſelbſt an. Ʒů dem ſo macht ſie ʒů diſer ʒeyt dem Euangelio ein boͤß geſchrey bey des Euangeli ſeyndē / die ſolchē auffrůr dem Euangelio ſchuldt geben / vn̄ thůn das laſter maul weyt gnug auff ʒů leſtern / wie wol ſie damit nicht entſchuldigt ſind vn̄ wiſſens auch wol anders / Chriſtus wird ſie auch ʒů ſein er ʒeyt wol treffen. ¶ Sihe nu / ob ich billich vnd recht habe in meynem buͤchlein geſchrieben / man ſolle on alle barmhertʒigkeyt in die aufruͤriſchen ſtechen / damit hab ist aber nicht gelert / das man den gefangenen vn̄ ergebenen nicht ſoll barmhertʒigkeyt be ⸗ weyſen / wie man mit ſchuld gibt / vnd mein buͤchlein auch wol anders ʒeygt. So will ich auch hie mit die wuͤtigen tyrannen nicht geſterckt / noch ir toben gelobt haben / den̄ ich hoͤre / das et ⸗ lich meyne iunckerlein vber die maß grauſam faren mit den ar ⸗ men leuͤtten / vnd ſind faſt keck vnd trotʒig / als hetten ſie gewon nen vnd ſeſſen fest / wolan die ſelbigen ſuͤchen nicht ſtraff vn̄ beſ ⸗ ſerunge des auffrůrs / ſondern buͤſſen iren grymmigen mutwillē vnd kuͤlen ir muͤtlein / den ſie villeicht lang getragen haben / mein en / ſie haben nu ein mal raum vn̄ fug daʒu gewonnen / Sonder ⸗ lich aber ſetʒen ſie ſich nu getroſt wider das Euangelion / woͤllē ſtifft vn̄ kloͤſter wider auffrichten / vnd dem Babſt die kronen er halten / mengen vnſere ſach vnter die auffrůriſchen / Aber ſie wer den bald auch ernden / was ſie itʒt ſeen / den̄ der droben ſitʒt ſihet ſie / vnd wird komen ehe ſie ſich umbſehen / Es ſol in feylen / was ſie fuͤrhaben / das weyß ist / wie es in bißher gefeylet hat. Ich hab auch in dem ſelbigen buͤchlin geſchrieben / das itʒt ſo wunderlich ʒeyt iſt / das man mit morden vn̄ blut vergieſſen den hymel verdienē mag / Hilff got / wie hat der Luther da ſein ſelbſt vergeſſen / 8 bißher gelert hat / man muͤſſe on werck allein durch den glauben gnad erlangen vn̄ ſelig werden / Aber hie gibt er nit alleyne den wercken die ſelickeyt / ſondern auch dem grewlichen werck des blut vergieſſens / da da iſt 8 reyn entbrand / Lieber got wie gnaw ſucht man mich / wie lauret man auff mich / vn̄ hilfft c4r doch nit / Den̄ ich hoffe / man ſoll mir ya auch laſſen den brauch der wort vn̄ die weyſe der red / ſo nit allein der gemeine man hat / ſonder auch die ſchrifft hellt / Spricht nit Chriſtus Matt.5. Se ⸗ lig ſind die armē den̄ ir iſt das hymelreich! Vnd ſelig ſeyt ir / wen̄ ir verfolgung leydet / den̄ ewrlon iſt groß im hymel / vn̄ Mat.25 da er die werck der barmhertʒigkeyt belonet et / vnd dergleichen vil mehr / vn̄ bleibt doch war / das die werck nichts thůn vor got ſondern alleyn der glaub / Wie aber das ʒůgehe / hab ich ſo vilmal vnd ſonderlich im Sermon vom vnrechten Mammon geſchri ben / wer ſich daran nit will benuͤgen laſſen / der far ymer hyn vn̄ erger ſich ſeyn lebēlang. ¶ Das ich aber das werck des blut ver gieſſens hab ſo theuͤr gemacht / wird mein buͤchlein am ſelbigen ort ʒeuͤgen reichlich / das ich geredt hab von welltlicher oͤberkeyt die Chriſtlich iſt / vnd ir ampt Chriſtlich fuͤret / ſonderlich wenn man wider die auffruͤriſchen hauffen ʒeucht ʒů ſtreytten / ſollten die ſelbigen mit blutvergieſſen vnd außrichtung irs ampts nicht wol thůn / ſo muͤſt Samuel / Dauid / Sampſon auch nicht wol gethan haben / da ſie die vbelthetter ſtrafften vnd blut vergoſſen / Ists nit gut noch recht / dermaſſen blutvergieſſen / wolan ſo laß man das ſchwerdt anſtehen vn̄ ſeyen frey bruͤder / thůn was vns luſtet. Den̄ das bitt ich euch vn̄ yderman mit fleyß / das ſie woll ⸗ tē doch meyn buͤchlein recht an ſehen vn̄ nit ſo vber hyn fahren / ſo werdē ſie ſehē / das ist als eym Chriſtlichē prediger gebuͤrt / hab allein die Chriſtliche frume oͤberkeyt unterricht / ich ſag noch ein mal vn̄ ʒū drittē mal / dʒ ich allein der oͤberkeit geſchriebē hab / die da chriſtlich oder ſonſt redtlich faren woͤlltē / das die ſelbigen ire gewiſſen moͤchtē in ſolchē fall unterrichtē / nemlich / das ſie flur in den hauffen der auffrůriſchen ſchlahen ſollen / unangeſehē / ſie treffen ſchuldig oder vnſchuldige / vn̄ ob ſie vnſchuldige gleych treffen / das ſie keyn gewiſſen davon ſollen machē / ſondern Got ſeine dienſt ſchuldig damit bekennen / hernach aber wenn ſie ge ⸗ wonnen haben / das ſie den̄ gnad ertʒeygen / nicht allein den vn ⸗ ſchuldigen (wie ſie es halten) ſonder auch den ſchuldigen. Aber die wuͤtigen / raſenden vn̄ vnſinnigen tyrannen / die auch nach der ſchlacht / nit muͤgē blutßſat werdē / vn̄ in irem gantʒem leben nicht vil fragen nach Chriſto / hab ich mir nit fuͤrgenomen c4v ʒů vnterrichten / den̄ ſolchen blůthundē gilt es gleich vil / ſie wuͤr gen ſchuldig oder vnſchuldig / es gefall got oder dē teuͤfel / die ha ⸗ ben das ſchwert allein ire luft vn̄ můtwillē ʒů buͤſſen / die laß ich iren meiſter den teufel fuͤren / wie er ſie fuͤrt / als ich gehoͤrt hab / dʒ ʒů Muͤlhauſen vnter etlichē groſſen hanſen eyner hab das arme weib Thomas Muͤntʒers / das nu ein widwen vn̄ ſchwangers leibs iſt / ʒů ſich gefordert / vor ir auff die knye gefallen vn̄ geſagt / liebe fraw laß mich dich / n. O ein ritterliche adeliche that / an ey nem elenden verlaßnē ſchwangern weiblin begangē / das iſt ya ein kuͤner helt / der dreyer ritter wol wert. Was ſolt ist ſolchē ran gen vnd ſewen ſchreiben. Die ſchrifft nent ſolch leut beſtien / das iſt / wilde thier / als da ſind woͤlff / ſew / bern vn̄ lewen / ſo wil ich ſie auch nit ʒu menſchen machen / man můß ſie aber dennoch ley den / wen̄ vns got durch ſie plagen wil. Ich hab es beydes geſor get / Wurdē die baurē herrn / ſo wuͤrd der teufel apt werdē / wuͤr den aber ſolch tyrannen herrn / ſo wuͤrd ſein můter aͤptißhin wer den / Derhalbē het ich beide die baurn gern geſtilt / vn̄ frumē oͤber keyt vnterrichtet / nu aber die baurē nit wolten / haben ſie iren lon dahin / diſe aber woͤllen auch nit hoͤren / wolan ſie werden iren lon auch haben / on das ſchad were / das ſie ſolten von den bau ren ermoͤrt werden / das were ein fuchßſchwantʒ / helliſch fewr / ʒittern vnd ʒeen klappen in der helle wirt ir lon ſein ewiglich / wo ſie nicht bůß thůn.
Solchs hab ich / meyn herr vn̄ freund auff ewr ſchrifft woͤllen antworten / hoff / ich hab mehr den̄ gnůg gethan / hat aber noch yemand nit gnůg dran / der ſey ym̅er hin weyß vnd klůg / frum̅ vnd heilig in gots namen / vn̄ laß mich einen narren vnd ſuͤnder bleyben / wiewol ist wolte / man ließ mich mit friden / man wirt mir doch nit angewinnen / vn̄ ſol recht bleyben was ich lere vnd ſchreib / ſolt auch alle welt druͤber berſten. Wil man ſich denn ya ſeltʒam ſtellē / ſo wil ich mich auch ſeltʒam ſtellen / vn̄ ſehen / wer ʒů letʒt recht behelt. Hiemit got befolhen / vn̄ ſagt dem Conrado / das er ʒůſehe / treffs vn̄ lege ſich in dʒ recht bette. Der druͤcker ſols hinfort auch meyden / vnd euch nit mehr Cantʒeler ſchelten / A.
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This is a facsimile and transcription of Eyn sendebrieff von dem harten buͤchlin wider die Bawrn..
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Luther, Martin, 1483-1546 Eyn sendebrieff von dem harten buͤchlin wider die Bawrn [Nürnberg] : [Hans Hergot], 1525Editorial principles
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